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Zum 29. Sonntag im Jahreskreis am 22.10.17 (Mt 22,15-21) pdf-Datei [9 KB]

In jener Zeit kamen die Pharisäer zusammen und beschlossen, Jesus mit einer Frage eine Falle zu stellen. Sie veranlassten ihre Jünger, zusammen mit den Anhängern des Herodes zu ihm zu gehen und zu sagen: Meister, wir wissen, dass du immer die Wahrheit sagst und wirklich den Weg Gottes lehrst, ohne auf jemand Rücksicht zu nehmen; denn du siehst nicht auf die Person. Sag uns also: Ist es nach deiner Meinung erlaubt, dem Kaiser Steuer zu zahlen, oder nicht? Jesus aber erkannte ihre böse Absicht und sagte: Ihr Heuchler, warum stellt ihr mir eine Falle? Zeigt mir die Münze, mit der ihr eure Steuern bezahlt! Da hielten sie ihm einen Denar hin. Er fragte sie: Wessen Bild und Aufschrift ist das? Sie antworteten: Des Kaisers. Darauf sagte er zu ihnen: So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!

Wenn wir wirklich dahinter kommen wollen, was Jesus uns sagen will durch seine Worte und seine Taten, und vor allem, was er mir deutlich machen will, müssen wir auf die Umstände achten, unter denen sich ein Gespräch oder ein Geschehen „abspielt“. Ein schönes Beispiel gibt uns das heutige Sonntagsevangelium. Eine offizielle Gesandtschaft der religiösen Verantwortlichen und mit ihnen Vertreter der an der Klärung eines wichtigen Problems Interessierten richtet die drängende Frage an Jesus: „Darf man vom eigenen Gewissen her einer fremden Autorität Steuern zahlen, also verpflichtende Abgaben entrichten an einen nicht im Dienst Gottes stehenden Herrscher?“ Scheinbar geht alles mit rechten Dingen zu, doch über allem liegt schon der „faule“ Ursprung: Der Wille zur „Klärung der Frage“ ist nicht echt, denn man will die Anfrage missbrauchen als Falle, in die sich Jesus verstricken soll, so dass er in die Hand der Menschen gerät, die ihm Weisung zu geben haben. Doch Jesus „durchschaut“ das verlogene Schöntun und „antwortet“ mit einem „Befehl“ und einer „Rückfrage“, damit die echte gültige Antwort zustande kommen kann. Sie berücksichtigt beide Seiten – den „Kaiser“ und Gott – und begnügt sich nicht mit dem üblichen, aber eben „nur menschlichen“ Entweder–Oder. Jesus sieht das Ganze und will, dass auch wir das Ganze sehen. Nur wenn wir Gott und Mensch, „den Himmel und die Erde“ im Blick haben, in den Blick bekommen wollen, können wir die richtige Antwort vom Herrn bekommen bzw. sie aus unserer persönlichen Beziehung zu Jesus heraus selber finden. Jesus will uns immer seine Sicht vermitteln, denn nur so können wir von unserer Blindheit und Einseitigkeit und Fixierung befreit werden. Die erste Lesung aus Jesaja (45,1.4-6) lässt deutlich werden, dass Gott auch „Kaiser“ – den Perserkönig Kyrus – in seinen Dienst nehmen kann und nimmt, weil sie, völlig überraschenderweise für die „frommen Gläubigen“, die Pläne Gottes mit verwirklichen können und sollen. Gott wählt sich für die liebevolle Führung der „Seinen“ auch solche aus, die wir für nicht fähig oder berechtigt halten.

Wie fixiert bin ich auf das „Entweder-Oder“ bei der Suche nach Lösungen von Problemen, nach Antworten auf Fragen? Wo stelle ich anderen Fallen, um sie reinzulegen, statt sie als Gegenüber und Partner anzuerkennen? Sehne ich mich danach, mit dem „Blick Jesu“ alles anzuschauen und zu durchschauen?
Wolfgang Müller SJ




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