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Zum 6. Sonntag im Jahreskreis am 11.02.18 (Mk 1,40-45) pdf-Datei [11 KB]


In jener Zeit kam ein Aussätziger zu Jesus und bat ihn um Hilfe; er fiel vor ihm auf die Knie und sagte: Wenn du willst, kannst du machen, dass ich rein werde. Jesus hatte Mitleid mit ihm; er streckte die Hand aus, berührte ihn und sagte: Ich will es - werde rein! Im gleichen Augenblick verschwand der Aussatz und der Mann war rein. Jesus schickte ihn weg und schärfte ihm ein: Nimm dich in Acht! Erzähl niemand etwas davon, sondern geh, zeig dich dem Priester und bring das Reinigungsopfer dar, das Mose angeordnet hat. Das soll für sie ein Beweis (meiner Gesetzestreue) sein. Der Mann aber ging weg und erzählte bei jeder Gelegenheit, was geschehen war; er verbreitete die ganze Geschichte, sodass sich Jesus in keiner Stadt mehr zeigen konnte; er hielt sich nur noch außerhalb der Städte an einsamen Orten auf. Dennoch kamen die Leute von überallher zu ihm.

Auch an diesem 6. Sonntag im Jahreskreis – also der Zeit, die nicht „geprägt“ ist durch ein besonderes Heilsgeheimnis wie die „Geburt des Herrn“ mit dem Vorlauf des Advent oder die „Auferstehung des Herrn“ mit der vorausgehenden „Fastenzeit“ – „berichtet“ uns Markus wieder „von Jesus“. Nach der Taufe durch Johannes, die uns Jesus zeigte als einen von uns, die wir uns Gott, unserem Ursprung und Ziel, mit allen Kräften „zuwenden“ sollen (1. Sonntag), folgte die Begegnung mit den Johannesjüngern, die zu Jesus überwechseln (2. Sonntag) und der erste Auftritt Jesu in Galiläa, nach der Ausschaltung des Täufers durch Herodes, bei dem er zur Umkehr vom bisherigen Leben und zum Glauben ans Evangelium einlud und sich Mitarbeiter aussuchte – die Apostel (3. Sonntag). Er stellte seine „rettende Botschaft von Gottes neuer Welt“ – dem Reich Gottes – seinen Zuhörern eindrucksvoll vor und zeigte seine befreiende Macht über Menschen, die nicht mehr sie selbst sein können, weil sie von einer fremden Macht „besessen“ sind (4. Sonntag). Dass er gekommen ist, um die Menschen gesund zu machen – die, die vom Leib her angeschlagen sind wie die Schwiegermutter des Simon, die er berührt und wieder auf die Beine stellt, wie auch die, die nicht mehr Herr ihrer selbst sind und frei entscheiden können – , macht er genauso deutlich wie seine Berufung, für alle da zu sein (5. Sonntag). Diesmal geht es um einen „Unberührbaren“ – einen Aussätzigen – der von seiner leiblichen Krankheit durch Berührung geheilt wird. Er ist willens, in Kontakt zu kommen mit den Menschen, aber gerade seine leibliche Krankheit macht das unmöglich, während die „Besessenen“ diesen Kontakt nicht wollen, sondern die Menschen angreifen oder verscheuchen. Jesus geht heilend, gesund machend, auf alle zu: er berührt die, die es „wollen“, aber von den Menschen her nicht können, und befreit die, die es „nicht wollen“, weil sie keinen eigenen Willen äußern können, damit sie in Kontakt mit den Menschen kommen können. Während die Befreiten ihre Ruhe finden nach den „Umtrieben“ während ihrer „Gebundenheit“, wird der zur Kontaktlosigkeit „Verurteilte“ umtriebig und kann nicht schweigen mit seinem Zeugnis von dem, was er durch Jesus an sich erleben durfte – ähnlich wie Paulus, der Jesus verkünden muss (1 Kor 9,16) – , so dass er nicht mehr Zeugnis gibt für die Gesetzestreue Jesu, die er „offiziell“ bestätigen lassen soll von den Priestern, den gesetzlich Zuständigen. Die heilende Begegnung mit Jesus geht für den Geheilten tiefer als die Rückbindung an die „gesetzlich geforder-te“ Begutachtung.


Ist mir bewusst, dass meine Begegnung mit Jesus den Vorrang für meine Überzeugung hat vor aller Berücksichtigung von Vorschriften und Vorgaben durch „offizielle“ Vertreter der Kirche? Sehe ich mein Zeugnis für den Glauben eingebunden in die Gemeinschaft bei aller Freiheit meines Zeugnisses aufgrund meiner persönlichen Jesuserfahrung? Habe ich den Mut zu meiner Erfahrung und zugleich die Bereitschaft, andere Erfahrungen gelten zu lassen? Sehe ich darin eine Chance, die unverwechselbar persönlichen Begegnungen mit dem Herrn ergänzen und vertiefen zu lassen?


Wolfgang Müller SJ




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